Start-Medium: Erstellen eines boot-fähigen UBS-Stick

Vorwort zur Anleitung:
Die Anforderungen an den Schwierigkeitsgrad sind für den Nutzer hoch. Ein Grundwissen ist erforderlich.

Vorbereitungen / Anforderungen:

Anforderungen

• Schwierigkeitsgrad: Mittel bis Hoch
• Erforderliche Kenntnisse:
– Kenntnisse über den Boot-Prozess
– flexibles und lösungsorientiertes denken
– evtl. Kenntnisse Linux-Befehlszeile Hardware

• Laptop mit: Linux oder Windows
• schneller USB-Stick mit: min. 16 Gb Speicher

Tipp:

Mache dich vertraut mit dem Gerät, welches du installieren möchtest.

Darunter sind Punkte wie:

– welches ist die BIOS-Taste?
– bietet das Gerät die nötigen Voraussetzungen?

Schritte durch die Anleitung:

1. Was ist ein bootfähiger USB-Stick?
2. Was ist eine Image-Datei?
3. Herunterladen eines Images
4. Die Wahl des Systems
5. Prozessor-Architekturen
6. Linux-Boot-Stick in einer Windows-Umgebung erstellen
7. Linux-Boot-Stick in einer Linux-Umgebung erstellen
8. Linux-Boot-Stick mit dem DD-Befehl erstellen
9. Ein wichtiger Hinweis zu DD
10. Installation von Linux
11. Problem-Geräte
12. Deaktivieren des Secure-Boot
13. Während der Installation…

1. Was ist ein bootfähiger USB-Stick?

Ein bootfähiger USB-Stick ist ein normaler USB-Stick – mit dem Unterschied, dass er so vorbereitet wurde, dass ein Computer davon starten kann.
Das funktioniert, indem man mit einer sogenannten Image-Datei ein vollständiges Betriebssystem auf den Stick schreibt. Beim nächsten Start erkennt der Computer den Stick als Startmedium.
Ohne diese Vorbereitung passiert beim Einstecken erstmal nichts. Der Stick muss also gezielt „bootfähig“ gemacht werden.

2. Was ist eine Image-Datei?

Eine Image-Datei – meist im ISO-Format – ist eine vollständige Kopie eines Betriebssystems, so wie es installiert werden soll. Man kann sie sich wie einen digitalen „Abdruck“ einer Installations-DVD vorstellen.
Hersteller wie Ubuntu stellen solche ISO-Dateien auf ihren Webseiten zur Verfügung.
Es reicht nicht aus, die Datei einfach auf einen USB-Stick zu kopieren. Sie muss mit einem speziellen Software auf den Stick geschrieben werden. Dieser Vorgang wird „dumpen“ genannt.

3. Herunterladen eines Images

Benutze eine Suchmaschine und tippe „Download Ubuntu“ oder ähnliches. 
 
Zur Vereinfachung sind hier einige direkte Links vorbereitet:

4. Die Wahl des Systems – Begriffe, die dir begegnen könnten

Je nach Einsatzzweck gibt es verschiedene Varianten von Ubuntu. Hier ein kurzer Überblick:

🔸 Desktop-Systeme

Die klassische Variante mit grafischer Oberfläche – ideal für Einsteiger. Nach dem Start ist alles da: Fenster, Maus, Programme, Webbrowser usw.

🔸 Server-Systeme („Headless“)

Diese Version kommt ohne grafische Oberfläche aus. Sie ist für den Einsatz auf Servern gedacht – leichtgewichtig, stabil und für Profis gedacht, die über die Kommandozeile arbeiten.

🔸 Live-Systeme

Diese Systeme lassen sich direkt vom USB-Stick starten – ohne Installation. Ideal, um Ubuntu einfach mal auszuprobieren oder für Reparaturzwecke.

🔸 Netboot-Systeme

Minimalistische Systeme, die sich beim Start die nötigen Installationsdateien über das Netzwerk holen. Meistens im Serverbereich verwendet.

👉 Für den Einstieg in Linux empfiehlt sich ganz klar ein Desktop-System. Es ist am benutzerfreundlichsten und sofort einsatzbereit.

5. Prozessorarchitekturen – Welche Version ist die richtige?

Wenn du ein Ubuntu-Image herunterladen möchtest, begegnen dir vieleicht Begriffe wie AMD64 oder x86_64. Dabei handelt es sich um verschiedene Prozessorarchitekturen – also darum, für welche Art von Prozessor dein System gebaut ist.
Für die allermeisten modernen Computer gilt:
👉 Die richtige Wahl ist „AMD64“ – auch wenn du einen Intel-Prozessor hast! Der Begriff steht heute allgemein für 64-Bit-Systeme.
Alternativ siehst du manchmal auch x86_64 – technisch gesehen dasselbe.
Fazit:
Du brauchst dir in den meisten Fällen keine großen Gedanken machen. Wenn du einen normalen PC oder Laptop hast, ist AMD64 genau die Version, die du brauchst.

6. Linux-Boot-Stick in einer Windows-Umgebung erstellen

Rufus ist ein kostenloses Tool für Windows, mit dem du ganz einfach ein bootfähiges Ubuntu-Image auf einen USB-Stick übertragen kannst. So funktioniert’s:
🔸 Lade Rufus herunter.
🔸 Wähle das Ubuntu-Image aus.
🔸 Wähle deinen USB-Stick aus.
🔸 Klicke auf „Start“ und warte, bis der Vorgang abgeschlossen ist.
Die genauen Einstellungen siehst du im Beispiel unten. IT-Tipp:
Für geübte Nutzer ist Rufus ein unverzichtbares Tool. Es unterstützt eine Vielzahl von Image-Dateien und ist eine zuverlässige Hilfe bei der Erstellung von bootfähigen Sticks.

7. Linux-Boot-Stick in einer Linux-Umgebung erstellen

Wenn du bereits Ubuntu auf deinem Computer installiert hast und einen weiteren Rechner einrichten möchtest, kannst du das mit dem grafischen Werkzeug „Start-Medien-Ersteller“, das unter „Anwendungen“ zu finden ist. Der Name mag etwas lang klingen, aber das Tool ist einfach zu bedienen.
 
So geht’s:
🔸 Wähle dein Image (das Quell-Abbild) aus.
🔸 Wähle deinen USB-Stick aus.
🔸 Klicke auf „Erstellen“ und warte, bis das bootfähige Medium fertig ist.

8. Linux-Boot-Stick mit dem DD-Befehl erstellen

Manchmal ist es notwendig, die integrierten Tools zu verwenden.

Diese Tools bieten mächtige Funktionen, erfordern jedoch Erfahrung und können bei falscher Anwendung dein System gefährden. Daher ist es wichtig, die folgenden Abschnitte sorgfältig zu lesen.

Du brauchst dafür einen Linux-Computer mit Zugriff auf die Kommandozeile (CLI). Das benötigte Image sollte bereits heruntergeladen sein.

Einstieg in die Kommandozeile: Falls du noch nicht mit der Kommandozeile vertraut bist, findest du hier einen kurzen, aber hilfreichen Einstieg, um sicher zu starten.

$> sudo su

Wechsle zur Superuser-Shell in der Kommandozeile

$> lsblk

Liste alle Block-Geräte auf

$> umount /dev/USB_KEY

Trenne deinen USB-Stick (binär) vom System

$> cd /DEINUSER/DEINORDNER
$> ls -lah

Wechsle in den Download-Ordner und liste alle Dateien auf

$> dd bs=4M status=progress conv=fdatasync if=ubuntu.iso of=/dev/USB_KEY

Der DD-Befehl – Ein mächtiges Werkzeug:
Vergewissere dich, dass if= (Input-Datei) auf dein Image und of= (Output-Datei) auf den korrekten USB-Stick zeigt. dd überprüft keine Fehleingaben, weshalb der Befehl im Fachjargon auch als „Disk Destroyer“ bezeichnet wird!
Die Option bs=4M beschleunigt den Schreibvorgang, indem sie die Blockgrösse auf 4 MB festlegt. Mit status=progress wird der Fortschritt angezeigt. Die Option conv=fdatasync sorgt dafür, dass der Schreibpuffer vor dem Schreiben auf das Zielgerät vollständig geleert wird. Diese Optionen sind jedoch optional und können auch weggelassen werden.
Ein vollständiger Auszug aus der Kommando-Zeile:

9. Ein wichtiger Hinweis zum dd-Command!

Der dd-Befehl ist ein mächtiges Tool, mit dem du verschiedene Arten von Images auf ein Speichermedium übertragen kannst. Es funktioniert hervorragend für Linux-Images, aber es gibt eine wichtige Einschränkung:
Wenn du versuchst, ein Windows 10- oder 11-Image mit dd zu kopieren, wirst du auf Probleme stoßen.
Warum funktioniert das nicht?
Windows verwendet spezielle Anpassungen in seinen Images, um die Bootfähigkeit zu gewährleisten. Diese Anpassungen sind jedoch nicht mit dd kompatibel, sodass der USB-Stick trotz eines scheinbar erfolgreichen Vorgangs nicht bootfähig wird. Auch Tricks oder zusätzliche Schritte können dieses Problem nicht lösen.
Was tun, wenn du ein Windows-Image erstellen musst?
In diesem Fall solltest du auf offizielle Tools von Microsoft oder auf Rufus zurückgreifen, da diese speziell für Windows-Images entwickelt wurden und zuverlässig bootfähige Medien erstellen können.

10. Installation von Linux

Stecke den USB-Stick in eine USB-Buchse, bevor du den Computer einschaltest. Sobald der Computer hochfährt, drücke die Boot-Taste, um das Boot-Menü aufzurufen.
Tipp:
Falls du dir nicht sicher bist, welche Taste dafür zuständig ist, lies einfach den nächsten Abschnitt sorgfältig durch, um die richtige Taste zu finden.
1. Automatische Anzeige:
Bei vielen Computern wird die Taste für das Boot-Menü beim Start für ein paar Sekunden auf dem Bildschirm angezeigt. Schau genau hin, während der Computer hochfährt.
2. Die häufigsten Tasten:
Falls die Taste nicht angezeigt wird, versuche eine der folgenden Tasten während des Startvorgangs zu drücken:

[F9], [F10], [F11] oder [F12]. Das sind die gängigsten Boot-Tasten.
3. Falls dein Laptop eine [Fn]-Taste hat:
Wenn deine Tastatur eine FN-Taste hat, halte diese gedrückt und drücke gleichzeitig eine der oben genannten Tasten.
4. Kombination direkt beim Start:
Bei einigen Geräten musst du die Boot-Taste direkt nach dem Einschalten gedrückt halten (nicht nur kurz drücken).
5. Die [ESC]-Taste:
Manchmal ist die [ESC]-Taste die richtige Wahl, um ins Boot-Menü zu gelangen. Probier es aus, wenn die anderen Tasten nicht funktionieren.
6. Spezielle Reset-Taste:
Einige seltene Geräte haben einen speziellen „Reset“-Knopf, der dich direkt ins Boot-Menü führt. Schau nach einem kleinen Knopf an deinem Gerät.
7. Wenn nichts funktioniert:
Wenn du den Boot-Key immer noch nicht findest, hilft eine schnelle Google-Suche mit dem Modellnamen deines Geräts. Es gibt viele Foren und Quellen, die die genauen Tasten für jedes Modell auflisten.

11. Problem-Geräte

Wenn du bist zu diesem Punkt gekommen bist und es auf anhieb nicht klappen will, es gibt Geräte welche es einem nicht einfach machen wollen:

• Microsoft Surface (… wenn Ubuntu aber installiert ist → ein geniales Gerät)
• MacBooks (… auch ein Mac-Book ist ein hervorragendes Gerät mit Ubuntu)

Einige Geräte gestalten sich hingegen äusserst installations-freundlich.

• ThinkPads
• Acer-Laptops

12. Deaktivieren des Secure-Boot

Fehlermeldung nach dem Booten – Mögliche Ursache: Secure Boot

Es kann vorkommen, dass dein USB-Stick zwar zu booten beginnt, aber kurz darauf eine Fehlermeldung erscheint. Häufig ist die Secure Boot-Funktion im BIOS/UEFI dafür verantwortlich.

Was ist Secure Boot?

Secure Boot ist eine Sicherheitsfunktion, die verhindern soll, dass das System mit nicht signierten USB-Sticks oder unsicheren Betriebssystemen startet. Das soll vor unerwünschten oder schadhafter Software schützen, kann aber manchmal auch das Booten von Ubuntu verhindern.

Was musst du tun?

Um Ubuntu erfolgreich zu installieren, musst du Secure Boot deaktivieren. In den meisten Fällen ist dies einfach im BIOS/UEFI zu finden. Keine Sorge – auch wenn der Bildschirm nach der Deaktivierung einen Warnton oder eine rote Warnmeldung anzeigt (was selten vorkommt), kannst du Secure Boot nach der Installation von Ubuntu wieder aktivieren. Dein System wird weiterhin einwandfrei funktionieren.

13. Während der Installation – Folge den Anweisungen

Die Installation führt Sie Schritt für Schritt durch den Prozess. Während einige Linux-Distributionen mehr technisches Fachwissen erfordern, ist Ubuntu so benutzerfreundlich gestaltet, dass auch Einsteiger mit Grundkenntnissen problemlos ans Ziel gelangen. 
 
👉 Tipp #1
Während der Installation können Sie auswählen, ob Drittanbieter-Software installiert werden soll. Aktivieren Sie diese Option, indem Sie das entsprechende Häkchen setzen. Dadurch werden zusätzliche Treiber für bestimmte Geräte installiert, wie beispielsweise für WLAN- oder Bluetooth-Komponenten, die sonst möglicherweise nicht einwandfrei funktionieren.
 
👉 Tipp #2 
Wenn möglich, sollte man sich für eine Neuinstallation entscheiden. Der Installationsassistent bietet die Möglichkeit, Linux parallel zu Windows zu installieren. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Leistung beeinträchtigt werden kann und solides Wissen über Partitionierung erforderlich ist. Aus Erfahrung lässt sich sagen: «Alongside«-Installationen funktionieren am besten, wenn sie sorgfältig geplant werden.
 
👉 Tipp #3 
Unter Windows ist es manchmal möglich, sich ohne Passwortabfrage einzuloggen. Ubuntu bietet diese Option ebenfalls an und sie funktioniert auch problemlos. Allerdings kann es vorkommen, dass bei bestimmten Programmen unerwartet eine Passwortabfrage erscheint – zum Beispiel beim Öffnen des Browsers. Dies kann beim Arbeiten auf dem Gerät als störend empfunden werden.
 
👉 Tipp #4 
Ubuntu bietet standardmäßig die Möglichkeit, LVM-Partitionen oder sogar verschlüsselte LVM-Partitionen einzurichten. Diese Optionen sollten jedoch nur gewählt werden, wenn sie wirklich benötigt werden oder die Sicherheitsanforderungen es erfordern. Der Umgang mit solchen Partitionen erfordert fortgeschrittenes Fachwissen. Auf lokalen Geräten wie Laptops sind diese Optionen in der Regel wenig sinnvoll. Das Nutzererlebnis wird dadurch nicht beeinträchtigt, jedoch kann die Datenrettung von solchen Partitionen äusserst schwierig sein.
 
👉 Tipp #5 
Wichtige Hinweise für Nutzer:
Ubuntu ist nicht Windows! Viele der bekannten Tricks und Funktionen, wie etwa das einfache Zurücksetzen eines Passworts oder entsprechende Hinweise, gibt es unter Ubuntu nicht. Manche Nutzer neigen dazu, extrem komplizierte Passwörter zu verwenden, um ein besonders hohes Sicherheitsgefühl zu erreichen. Das ist oft gar nicht notwendig. Stattdessen sollte man ein Passwort wählen, das sicher, aber auch für den jeweiligen Zweck praktikabel ist. Alternativ kann eine sichere Notiz helfen, falls man das Passwort einmal vergisst. Übrigens: Schon das blosse Arbeiten mit Linux hat sich für manche Datenjäger als ausreichend abschreckend erwiesen. 😉