Der Alleskönner: Ubuntu und Windows auf einem Laptop

Ein Gerät mehrere Betriebsssysteme, das gilt es zu beachten:

1. Mehrere Betriebssysteme auf einem Gerät: Dual-Boot

Startet man einen Computer per Knopfdruck, lädt er ein Betriebssystem. Dieser Vorgang wird Boot-Prozess genannt.
Ist auf dem Gerät nur ein Betriebssystem installiert, startet dieses automatisch – ganz ohne Rückfrage. Deshalb bemerken die meisten Nutzer gar nicht, welche Schritte beim Starten im Hintergrund ablaufen. Früher wurden diese Vorgänge oft noch auf dem Bildschirm angezeigt, heute sind sie in der Regel verborgen.
Beim Einschalten weiß der Computer zunächst nicht, welches Betriebssystem gestartet werden soll. Er sucht zuerst nach startfähigen Installationen auf dem Datenträger. Erst danach wird das ausgewählte System geladen.
Dieser Ablauf lässt sich auch mit zwei oder mehr Betriebssystemen nutzen. In diesem Fall spricht man von einem Dual-Boot-System (oder Multi-Boot), bei dem man beim Start auswählen kann, welches Betriebssystem geladen werden soll.

2. Vorbereitungen

Auch wenn Installationsprogramme oft eine einfache „Neben-Windows installieren“– oder **„Along-Side“-Option anbieten, merkt man schnell, dass Dual-Boot nicht ganz so unkompliziert ist, wie es zunächst wirkt.
Die meisten Geräte verfügen nur über einen einzigen Speicher, also eine Festplatte oder SSD. Diese muss für ein Dual-Boot-System in mehrere Partitionen aufgeteilt werden. Vereinfacht gesagt wird der Speicher in getrennte Bereiche aufgeteilt, die jeweils ein eigenes Betriebssystem enthalten.
Das bedeutet: Eine gute Planung vor der Installation ist unerlässlich.
Dabei sollte man Folgendes beachten:
  • Partitionen lassen sich nicht ohne Risiko nachträglich verändern
  • Nicht jedes Betriebssystem unterstützt Dual-Boot automatisch
  • Die gewohnte Arbeitsleistung kann sich leicht verändern
  • Für viele Anwendungsfälle sind Live-Systeme von USB-Sticks einfacher und flexibler
  • Für IT-Kenner gibt es Alternativen wie PXE-Boot, der Teile des Dual-Boot-Prinzips ersetzt
Aus diesen Gründen ist Dual-Boot in Unternehmen eher selten anzutreffen – und auch viele Spezialisten greifen lieber auf andere Lösungen zurück.

3. Partition: Die Festplatte in zwei Teile aufteilen

Wer ein Dual-Boot-System einrichten möchte, muss die Festplatte in zwei Partitionen aufteilen. Dabei gehen alle vorhandenen Daten auf der Festplatte verloren. Das bestehende Betriebssystem wird vollständig zerstört, und die bisherigen Daten werden unlesbar.
Eine nachträglich erstellte Partition bedeutet also das endgültige Ende aller bisherigen Inhalte auf dem Gerät.
Um diesen Prozess durchzuführen, braucht es genaue Kenntnisse und spezielle Software, zum Beispiel GRML, ein Betriebssystem für Datenrettung und Systemverwaltung. Für IT-Kenner ist dies ein wertvolles Werkzeug, für normale Anwender jedoch ungeeignet.
Ab diesem Punkt ist ein erfahrener Anwender erforderlich, um den Vorgang korrekt durchzuführen.

4. Das Installieren der Betriebssysteme

Wer schon einmal ein Dual-Boot-System installiert hat, weiß: Jetzt wird es anspruchsvoll!
Bei einem Dual-Boot-System mit Linux und Windows kommt es besonders auf die Reihenfolge an. Die richtige Reihenfolge lautet:
  1. Microsoft Windows
  2. Linux
Der Grund: Windows überschreibt beim Installieren oft den GRUB-Bootloader von Linux. GRUB ist das Programm, das später beim Start des Computers die Auswahl zwischen den Betriebssystemen ermöglicht.
Wenn alles richtig läuft, erscheint nach der Installation ein Auswahlbildschirm beim Start. Dort kann man dann entscheiden, ob man Windows oder Linux starten möchte.

5. Fehlerhandling

Wenn die Installation nicht auf Anhieb klappt, muss man manchmal manuell eingreifen und den GRUB-Bootloader anpassen.

Das ist keine Aufgabe für zwischendurch – hier sind technisches Wissen und Geduld gefragt.

Je nach Kombination der Betriebssysteme kann es nötig sein, die Installation mehrfach zu wiederholen. Nicht jedes System mag eine Dual-Boot-Installation, deshalb sollte man Vorsicht walten lassen.

6. Alternativen

Für den durchschnittlichen Nutzer kann Dual-Boot schnell kompliziert und fehleranfällig sein. Es hat seinen Grund, warum diese Praxis selten anzutreffen ist.
Glücklicherweise gibt es einfachere Alternativen, die oft flexibler und sicherer sind:
1. Live-USB-Systeme
Ubuntu und andere Linux-Distributionen lassen sich direkt von einem USB-Stick starten. Mit schnellem RAM und USB 3.0 entsteht so eine vollwertige Arbeitsumgebung. Allerdings ist die Geschwindigkeit durch die USB-Schnittstelle begrenzt. Trotzdem: Für einfache Tests oder temporäres Arbeiten ist dies eine praktische und unkomplizierte Lösung.
2. Virtualisierung
Virtuelle Maschinen mit VirtualBox, VMware oder QEMU sind eine erprobte Methode, mehrere Systeme gleichzeitig zu nutzen. Hier kann man die Leistung der Hardware besser ausnutzen. Bei hardware-nahen Anwendungen wie Spielen oder 3D-Programmen spürt man jedoch noch Unterschiede zur nativen Installation.
3. PXE / Netzwerkboot
In speziellen Szenarien kann das Booten über das Netzwerk sehr nützlich sein. Es ermöglicht den vollen Zugriff auf die Hardwareleistung, ohne die Festplatte zu verändern. Nachteilig ist jedoch, dass das System nicht portabel ist und die Einrichtung technisch aufwendig sein kann. Außerdem werden Ethernet-Schnittstellen auf modernen Laptops seltener genutzt, sodass diese Lösung eher für IT-Profis und Spezialanwendungen interessant ist.