Schaltet man einen Computer an, lädt er ein Betriebssystem. Dies nennt man Boot-Prozess.
Ist ein Betriebssystem installiert, startet es automatisch, ohne dass der Nutzer gefragt wird.
Technisch betrachtet läuft es so ab:
Beim Start eines Computers weiss er zunächst nichts von Peripherie oder installierten Systemen.
Er sucht nach einem installierten Betriebssystem und führt dieses automatisch aus. Die stillen Sekunden vom Knopfdruck bis zur Anzeige sind von diesem Prozess erfüllt.
Dieser Ablauf lässt sich auch auf zwei Betriebssysteme erweitern. Man spricht dann von Dual-Boot oder Multi-Boot.
So spontan-verführerisch es sich auch anfühlen mag, bei einer Installation die «Along-Side-Options» oder «Neben-Windows installieren» zu wählen, hier ein Wort der Warnung:
Die meisten Computer verfügen nur über eine Festplatte. Diese muss bei einem Dual-Boot in mehrere Teile (Partitionen) aufgeteilt werden. Und damit wird ein bisheriges Betriebssystem zerstört.
Das bedeutet: Eine Planung vor der Installation ist unerlässlich.
Dabei gilt es, folgende Punkte zu berücksichtigen:
– Nachträglich lassen sich Partitionen nur mit erheblichem Aufwand verändern
– Nicht jedes Betriebssystem unterstützt Dual-Boot
– Die gewohnte Arbeitsleistung kann sich verändern
Alternativen:
– Für viele Anwendungsfälle sind Live-Systeme auf USB-Sticks einfacher und flexibler
– Für IT-Kenner gibt es Alternativen wie PXE-Boot.
Fazit:
Aus diesen Gründen ist Dual-Boot in Unternehmen eher selten anzutreffen – selbst viele Spezialisten greifen lieber auf andere Lösungen zurück.
Wer ein Dual-Boot-System einrichten möchte, muss die Festplatte in zwei Partitionen aufteilen. Dabei gehen alle vorhandenen Daten auf der Festplatte unwiderruflich verloren.
Für diesen Vorgang sind fundierte Kenntnisse und spezielle Software erforderlich.
Eine solche Software ist GRML – ein Live-Betriebssystem zur Datenrettung
Wer sich schon mit Dual-Boot herumgeschlagen hat und zur Installation kommt weiss:
Jetzt wird es erneut anspruchsvoll! Nicht jedes Betriebssystem duldet einen Nachbar.
Auf die richtige Tonart und Chemie kommt es an:
Zuerst Windows, dann Linux.
Windows neigt dazu, den GRUB-Boot-Loader zu überschreiben.
Wenn alles reibungslos vonstatten geht, dann wird beim Start GRUB zwei Betriebssysteme zur Auswahl anzeigen.
Gelingt die Installation doch nicht auf Anhieb, kann man den GRUB-Bootloader manuell anpassen.
Eine Aufgabe für zwischendurch ist es aber keineswegs. Je nach Kombination der Betriebssysteme ist eine Lernphase mit mehreren Installations-Durchläufen nötig.
Und falls alles schiefgeht: Nicht jedes Betriebssystem verträgt einen Dual-Boot-Nachbarn sofort ohne Weiteres.
Warum die Anwendung von Dual-Boot selten ist, hat einen nachvollziehbaren Grund. Die praxisnahe Anwendung kollidiert mit der Realität der Komplexität.
Der Grundgedanke dieses Systems ist damit nicht verschwunden:
1. Live-USB-Systeme
Diese vollwertige Arbeitsumgebung bieten fast alle Linux-Distributionen an. Entscheidend sind ein schneller Arbeitsspeicher und USB-3.0-Support.
Man kann damit gut Arbeiten, muss aber auf schnelle interne Hardware verzichten.
2. Virtualisierung
Um noch mehr an die Hardwareleistung eines Computers anzuknüpfen sind VMware und Virtualbox kampferprobte Systeme. In der Anwendung einfach und zuverlässig. Man muss nicht vollständig auf die Leistung der internen Hardware verzichten. Der Illusion reibungsfreier Abläufe leistungsintensiver Software muss aber auch gedämpft werden.
3. PXE / Netzwerkboot
Komplette Hardwarenutzung bietet der Netzwerkboot. Gerade dieser ist aber von der einfachen Nutzung am weitesten entfernt.
Zum einen braucht es für PXE eine Netzwerkschnittstelle, welche selten geworden sind. Zum anderen sind sie nicht portabel und oft präzise auf das Client-System ausgerichtet. Ein leistungsfähiger PXE-Server ist ein komplexes Projekt – ein Thema eigener Gewichtsklasse.